9 Fakten über Lou Pearlman
Lou Pearlman baute in den 90s die Backstreet Boys und *NSYNC auf. Dabei war sein Leben von Lügen und Betrügen durchzogen. Darum geht es in der neuen Folge Pop Crimes.
Lou Pearlman baute in den 90s die Backstreet Boys und *NSYNC auf. Dabei war sein Leben von Lügen und Betrügen durchzogen. Darum geht es in der neuen Folge Pop Crimes.
Lou Pearlman wurde am 19. Juni 1954 in New York City geboren und wuchs im Stadtteil Queens auf. Er war das einzige Kind der jüdischen Eltern Hyman („Hy“) Pearlman, der eine chemische Reinigung betrieb, und Irene („Reenie“) Pearlman, einer Schulkantinenhilfe. Schon früh spielte auch ein berühmter Name in seiner Umgebung eine Rolle: Sein Cousin Art Garfunkel (von Simon & Garfunkel) galt als inspirierender Bezugspunkt in seiner Jugendzeit.
Mit 13 Jahren erlebte Lou Pearlman einen Moment, der ihn prägte: Zu seiner Bar-Mizwa (1967) wollten kaum Mitschüler kommen. Er nutzte den Besuch seines Cousins Art Garfunkel, inszenierte ihn als VIP – und plötzlich war sein Fest Thema auf dem Schulhof. Für Lou wurde das zur Lektion: Der Ruhm eines anderen kann auf ihn selbst „abfärben“, wenn er ihn geschickt in Szene setzt.
Bereits als Teenager fälschte Lou Pearlman Dokumente wie Führerscheine und Schülerausweise – oft für Freunde, häufig gegen Geld. Das ist in den Informationen nicht als einmalige Jugendsünde beschrieben, sondern als frühes Muster: Er lernte, dass sich mit glaubwürdig wirkenden „Beweisen“ (Ausweisen, später Fotos und Broschüren) Vorteile herstellen lassen.
Lou Pearlman war fasziniert von Luftschiffen, beobachtete Starts und Landungen stundenlang und verfolgte mit bemerkenswerter Besessenheit den Traum vom eigenen Zeppelin. Nach dem Studium setzte er ausgerechnet auf die scheinbar tote Branche, kaufte einen ausgemusterten Zeppelin und restaurierte ihn mit Freunden. 1980 hob er tatsächlich ab – in Lakehurst, dem Ort des Hindenburg-Unglücks. Werbung sollte Geld bringen: Jordache zahlte 50.000 Dollar für einen goldfarbenen Zeppelin. Das Spektakel endete im Absturz – ohne Verletzte, aber mit 2,5 Millionen Dollar Versicherungssumme für Pearlman.
Lou Pearlman gründete die Fluglinie Trans Continental Airlines – mit Flugzeugen, die er gar nicht besitzt. Für Hochglanzbroschüren nutzte er Fotos, auf denen Spielzeugmodelle so fotografiert waren, dass sie wie echte Maschinen wirkten. Anleger sollten investieren; wenn ein Auftrag kam, mietete Lou einfach ein echtes Flugzeug. Der Kern war immer derselbe: Schein-Substanz erzeugen, bis echtes Geld fließt.
Anfang der 90er bekam Lou Pearlman eine Anfrage aus der Musikindustrie: Fünf Musiker sollten zwischen Konzerten geflogen werden. Er traf die Passagiere persönlich – und war verblüfft: keine „Rockstars“, sondern junge Typen, die aussehen wie Kids. Es sind die New Kids on the Block. Lou recherchierte und verstand das Prinzip: Boygroups brechen Mädchenherzen – und funktionieren wirtschaftlich wie Maschinen. Ihm wurde klar: In dieses Business wollte er auch rein.
Also gründete Lou Pearlman Trans Continental Records in Orlando. Banken gaben ihm Geld, laufende Kredite bediente er mit neuen Krediten – ein Muster, das später zentral wurde. Er schaltete eine Anzeige im „Orlando Sentinel“: gesucht wurden männliche Sänger (16–19), die sich gut bewegen können – „New-Kids-artig“. Die Backstreet Boys wurden gecastet und nannten Lou Pearlman schon bald „Big Poppa“.
Im September 1995 erschien die erste offizielle Single der Backstreet Boys: „We’ve Got It Going On“. In den USA floppte sie, Boygroups sind dort „kein Thema“ – in Deutschland schon. Lou setzte auf eine Strategie: erst in Deutschland groß werden, dann in den USA neu angreifen. Die Band trat bei VIVA auf, wurde Thema in der Bravo, Fans kreischten am Zaun – plötzlich hatten die Backstreet Boys Chart-Erfolge in Deutschland und auch in Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Im Herbst 1996 brachte „Quit Playing Games with My Heart“ dann endlich auch in den Staaten den Durchbruch.
Lou Pearlman baute heimlich *NSYNC als „Nachfolger“ der Backstreet Boys auf und spielte beide Bands gegeneinander aus – öffentlich und hinter den Kulissen, mit Psychotricks und gezielten Erzählungen.
Der Geldkonflikt eskalierte am 12. März 1998: *NSYNC erwartete den ersten großen Scheck nach Millionenverkäufen – und bekam 10.000 Dollar. Spätestens jetzt war ihnen klar, dass Verträge und Abrechnungen nicht stimmen konnten und reine Abzocke waren. Anwälte nannten die Vereinbarungen extrem schlimm, beide Bands landeten gegen Lou Pearlman vor Gericht.
Als Anfang der 2000er die Boygroup-Millionen nachlassen, suchte Lou Pearlman neue Formate („Making the Band“ → O-Town), produzierte weitere Gruppen und lebte weiter über seinen Verhältnissen.
Die Reporterin Helen Huntley schaute bei Lou Pearlman genauer hin und fand eine „Papierwelt“ aus Fälschungen und Scheinfirmen – der Schaden: über 500 Millionen Dollar. Lou foh nach Bali, wurde aber im Juni 2007 nach einem Foto-Hinweis in einem Hotel verhaftet und im Juli in die USA überstellt. Er gestand und erhielt 25 Jahre Haft. 2016 starb er im Gefängnis an einer Herzerkrankung.
Stars, Hits und Skandale - darum gings in den 90ern gerne mal. Ein Jahrzehnt mit großartiger Musik und einer unfassbaren Popkultur. Aber dahinter verbirgt sich auch gerne eine dunkle Seite, mit Verbrechen und skandalösen Geschichten. Egal ob Snoop Dogg, Charlize Theron oder Kurt Cobain. Pop Crimes erzählt die wahren Geschichten hinter den Stars. Alle weiteren Infos zu den Fällen und exklusives Material findet ihr auf 90s90s.de Eine neue Folge gibt es jetzt wieder jeden Donnerstag ab 5 Uhr.
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