Keanu Reeves holt die 90er zurück
Keanu Reeves kommt 2026 mit seiner 90er-Band Dogstar nach Hamburg, Berlin und Köln. Ein Hollywood-Idol wird wieder zum Musiker – live und nahbar.
Keanu Reeves kommt 2026 mit seiner 90er-Band Dogstar nach Hamburg, Berlin und Köln. Ein Hollywood-Idol wird wieder zum Musiker – live und nahbar.
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Keanu Reeves – in den 90ern raste durch Actionfilme, stürzte sich in Surfwellen, tauchte in digitale Welten ein – und zwischendrin stand er auf einer Bühne, Bass umgehängt. Dass Keanu Reeves nun mit seiner Band Dogstar 2026 nach Hamburg, Berlin und Köln zurückkehrt, fühlt sich deshalb noch lange nicht an wie ein Nostalgie-Reflex.
Bevor Keanu Reeves zur globalen Popikone wurde, war da ein Film, der ihn von einem beliebten Schauspieler zu einem echten 90er-Phänomen machte. „Speed“ erschien 1994 und traf das Jahrzehnt mit voller Wucht. Der Film war ein Hochgeschwindigkeitsrausch, eine Mischung aus harten Kanten und überraschender Emotionalität, die perfekt zu der damals neuen Definition von Actionkino passte. Keanu Reeves spielte Jack Traven nicht als perfektes Muskelpaket, sondern als verletzlichen, hochkonzentrierten Typen, der bei jedem Schritt spürbar denkt. Diese Art von Held war neu. Moderner. Und sie passte haargenau zu den 90ern, die Helden plötzlich komplexer wollten als in den Dekaden davor. Auch abseits der Leinwand wuchs sein Einfluss: Poster in Jugendzimmern, Interviews in Magazinen, Clips auf MTV. „Speed“ war der Startschuss dafür, dass Keanu Reeves nicht mehr nur ein Schauspieler war, sondern ein Gesicht einer ganzen Ära. Der Film zementierte sein Image als Non-Hollywood-Hollywoodstar, als jemand, der lieber am Set eine Gitarre stimmt als im Blitzlichtgewitter zu posieren. Und genau diese Haltung erklärt später auch den Weg zu Dogstar.
„Point Break“ kam 1991 und traf einen Nerv, den viele Filme danach nur noch imitieren wollten. Keanu Reeves spielt Johnny Utah mit einer Mischung aus jugendlichem Trotz und ernsthafter Verlorenheit. Ein Film zwischen Extremsport, Spiritualität und Crime. Gleichzeitig brachte die Rolle das in Keanu Reeves zum Vorschein, was ihn so dauerhaft faszinierend macht: eine Ruhe, die nicht passt, aber genau deshalb magnetisch wirkt. Neben ihm glänzt Patrick Swayze. Die 90er liebten Figuren, die irgendwo zwischen Coolness und Suche hängen. Genau das verkörperte er. „Point Break“ machte aus Keanu Reeves eine Projektionsfläche: Held, Antiheld, verlorener Junge, undercover, aber emotional offen. In Interviews sprach Keanu Reeves damals schon über Musik, über das Bassspiel, über Auftritte mit Dogstar. Dieser Film war nicht nur Karrierebaustein – er öffnete eine Wahrnehmung. Ein Actionstar konnte auch ein Musiker sein, ein Denker.
1999 kam der Film, der nicht nur die 90er abschloss, sondern das Kino neu startete. „Matrix“ verwandelte Keanu Reeves endgültig in eine Ikone. Der Film war ein stilistischer Tsunami: Bullet-Time, langer schwarzer Mantel, philosophische Untertöne, ein Cyber-Vibe, der sich bis heute durch Popkultur zieht. Als Neo wurde Keanu Reeves zum Gesicht der digitalen Unruhe des Jahrzehnts. Alles veränderte sich: Actionästhetik, Mode, Filmrituale, Diskussionen über Realität. Besonders spannend für die Geschichte von Dogstar: Trotz der weltweiten Neo-Manie blieb Keanu Reeves bei seinen Musikprojekten. Er probte weiter, spielte weiter, blieb der stillste Bassist, den Hollywood je hervorgebracht hatte. „Matrix“ machte ihn global unantastbar – aber er selbst blieb greifbar.
In einem Jahrzehnt, in dem Alternative Rock und Grunge überall aus den Boxen knirschten, gründete Keanu Reeves gemeinsam mit Bret Domrose und Robert Mailhouse die Band Dogstar. Anfang der 90er entstand ein Sound, der nicht auf Charts schielte, sondern einfach das war, was drei Musiker fühlten. „Our Little Visionary“ erschien 1996 – rau, ehrlich, typisch 90er. Kein Überproduktions-Glanz, keine kalkulierten Singles. Dogstar war genau die Art Band, die damals in kleinen Clubs funktionierte. Was bei vielen in Vergessenheit geraten ist: Keanu Reeves war nicht das Accessoire der Band. Er war ein integraler Teil davon. Basslinien, die stabil halten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen – so wie er selbst. Die Band tourte, spielte auf Festivals, gab Interviews, diskutierte Equipmentfragen. In einer Zeit, in der Musikmedien noch physisch waren, tauchte Dogstar regelmäßig in Magazinen und lokalen Radios auf. Eine 90er-Band, die zufällig einen Filmstar im Line-up hatte – oder einen Filmstar, der zufällig eine echte 90er-Band hatte.
2020 standen die drei Musiker wieder zusammen im Proberaum. Keanu Reeves erzählte später, wie sich die ersten Sessions „wie früher“ anfühlten. 2023 folgte das offizielle Comeback, begleitet von Auftritten, die von einem verblüffenden Detail geprägt waren: Niemand kam wegen eines Hollywood-Moments. Die Leute kamen wegen der Musik, und Dogstar lieferte. Das neue Album „Somewhere Between the Power Lines and Palm Trees“ zeigte eine Band, die die 90er im Rücken und die Gegenwart im Blick hat. Sie blieb sich treu. Und ja, natürlich spielt das Keanu Reeves-Momentum eine Rolle. Aber es ist seine Anti-Star-Aura, die das Ganze glaubwürdig macht. Keanu Reeves steht da wie immer: konzentriert, leicht schüchtern, lächelnd, wenn er sich verspielt. Es ist diese Echtheit, die die Rückkehr von Dogstar stärker macht als das übliche Comeback vieler 90er-Bands.