Ibiza: Rave-Sommer verlängern
Der deutsche Rave-Sommer geht langsam ins Closing. Carl Cox, Sven Väth und weitere prägende DJs der 90er drehen auf Ibiza im September 2026 jedoch noch lange nicht den Strom ab.
Der deutsche Rave-Sommer geht langsam ins Closing. Carl Cox, Sven Väth und weitere prägende DJs der 90er drehen auf Ibiza im September 2026 jedoch noch lange nicht den Strom ab.
Ein eigenes Radio für das Club-Feeling der Insel. Die größten House-, Trance- und Dance-Classics der 90er. Der Sound von Sonnenuntergängen, Strandpartys und durchtanzten Sommernächten.
Der Festivalsommer ist fast gelaufen, die Turnschuhe haben mehrere Leben hinter sich und das Handy ist voller Erinnerungen an diesen Sommer auf der Tanzfläche. Feierabend muss deshalb aber nicht sein: Während in Deutschland bereits über Hallentermine diskutiert wird, läuft die Clubsaison auf Ibiza weiter.
Im September stehen dort unter anderem Carl Cox, Sven Väth, Armand Van Helden, David Morales, Louie Vega, Alexander Coe alias Sasha und John Digweed an den Decks. Keine Retroshow, kein verkleideter Rückblick, sondern aktuelle Sets von DJs, die bereits in den 90ern Clubkultur geprägt haben. 2026 bekommt diese Verlängerung für uns eine zusätzliche Bedeutung. 90s90s IBIZA begleitet erstmals eine komplette Saison als Radio für Balearic Beats, House, Trance und den offenen Dance-Sound, der die Insel weit über einzelne Clubs hinaus geprägt hat. Die Insel war schon in den 90ern kein einheitliches Genre und ist es auch heute nicht. Carl Cox steht für eine andere Spielart der Nacht als David Morales, und Sven Väth baut einen Abend anders auf als Armand Van Helden. Genau das macht den September interessant.
Wer Ibiza nur aus den Hochsommermonaten kennt, könnte den September für den Abspann der Saison halten. Das wäre ein Fehler. Die Temperaturen bleiben in der Regel sommerlich, viele große Residencies laufen weiter, und manche Programme steuern erst jetzt auf ihre musikalischen Höhepunkte oder Closing Partys zu. Für Kurzentschlossene kann der Monat sogar angenehmer sein: Carl Cox spielt weiterhin vor großem Publikum, während die Insel nicht mehr ganz so stark vom August-Andrang bestimmt wird. Auch beim Blick auf die Preise ist allerdings Realismus gefragt. Ibiza ist 2026 kein günstiges verlängertes Festivalwochenende. Eintritt, Unterkunft, Transfers und Getränke können aus einem spontanen Gedanken ziemlich schnell eine kleine Finanzierungsrunde machen. Dafür lassen sich die Reisen gezielter planen: Wer wegen Sven Väth kommt, braucht nicht automatisch sieben Nächte. Wer Carl Cox, Alexander Coe alias Sasha und John Digweed gemeinsam erleben will, kann sein Wochenende um einen klaren Haupttermin bauen.
Der dichteste Zeitraum liegt wohl zwischen dem 2. und dem 6. September 2026. Am Mittwoch, dem 2. September, spielt Armand Van Helden bei elrow Outdoors im Ushuaïa. Am Donnerstag folgt Sven Väth mit einem Garten- und einem Clubset bei Las Dalias und im Akasha. Am Freitag steht David Morales bei Glitterbox im Amnesia auf dem Programm. Am Sonntag treffen schließlich Carl Cox, Alexander Coe alias Sasha und John Digweed im [UNVRS] aufeinander. Dieses Paket ist nicht nur wegen der Namen stark. Innerhalb weniger Tage zeigt es vier unterschiedliche Modelle von Ibiza. Armand Van Helden spielt in einer groß produzierten Open-Air-Show. Sven Väth bekommt Raum für einen längeren Spannungsbogen zwischen Garten und Club. David Morales trifft auf die Disco- und House-Ästhetik von Glitterbox. Carl Cox, Alexander Coe alias Sasha und John Digweed stehen für die maximale Superclub-Nacht. Wer nicht direkt Anfang September reisen kann, findet am 10. September im Pacha einen weiteren Termin mit Armand Van Helden. Drei Tage später spielt Carl Cox im [UNVRS] gemeinsam mit Louie Vega und Dimitri Yerasimos alias Dimitri From Paris. Gerade die Nacht am 13. September dürfte für House-Fans interessant sein, weil Carl Cox dort nicht als isolierte 90er-Ikone präsentiert wird, sondern mit zwei DJs zusammentrifft, die Disco, Garage House und Clubmusik seit Jahrzehnten in die Gegenwart übersetzen.
David Morales spielt am 4. September bei Glitterbox im Amnesia. Von allen Nächten liegt dieser Termin ästhetisch am nächsten an einer Feier der House-Geschichte. Das macht ihn aber noch nicht zur Retroshow. David Morales war bereits vor den 90ern Teil der New Yorker Clubszene und entwickelte sich im folgenden Jahrzehnt zu einem der wichtigsten Remixer und Produzenten im internationalen House. David Morales arbeitete unter anderem für große Pop- und R&B-Stars, ohne seine Clubperspektive komplett gegen Radiotauglichkeit einzutauschen. Für Kurzentschlossene ist der Abend deshalb besonders geeignet, wenn die Reisegruppe musikalisch nicht komplett einer Meinung ist. David Morales liefert genug House-Historie für Fans der 90er, während Jayda Guy alias Jayda G und Horse Meat Disco den Abend klar in der gegenwärtigen Clublandschaft halten. Das ist konsensfähiger als ein langes Techno-Set von Sven Väth, aber deutlich weniger beliebig als eine reine Hitparade.
Am 13. September spielt Louie Vega gemeinsam mit Carl Cox und Dimitri Yerasimos alias Dimitri From Paris im [UNVRS]. Louie Vega gehört zur Geschichte des New Yorker House und wurde als Teil des Duos Masters at Work gemeinsam mit Kenny Gonzalez alias Kenny Dope prägend. In den 90ern verbanden Louie Vega und Kenny Gonzalez alias Kenny Dope House mit Disco, Soul, Latin, Jazz und Garage. Diese Offenheit passt zur ursprünglichen Idee von Balearic Music: Entscheidend ist nicht, ob jedes Stück im selben Genre-Regal steht, sondern ob die Auswahl als Nacht funktioniert.
Wer zwischen dem 6. und dem 13. September wählen muss, bekommt zwei unterschiedliche Argumente. Carl Cox, Alexander Coe alias Sasha und John Digweed bieten am ersten Sonntag das historisch aufgeladenere Gipfeltreffen. Carl Cox, Louie Vega und Dimitri Yerasimos alias Dimitri From Paris versprechen eine Woche später vermutlich mehr Disco, Soul und House. Das größere Plakat hängt am 6. September, die lockerere Tanzfläche könnte am 13. September warten.
Vor der Buchung sollten alle Termine noch einmal direkt bei den Clubs oder offiziellen Ticketpartnern geprüft werden. Line-ups, Einlasszeiten und Preise können sich verändern. Carl Cox und Sven Väth sind zwar verlässliche Namen, aber auch auf Ibiza ist ein veröffentlichter Spielplan kein Naturgesetz. Besonders bei Flug und Hotel empfiehlt sich deshalb eine Kombination, die notfalls auch ohne einen einzigen Hauptact noch als Urlaub funktioniert. Für eine Reise Anfang September bietet sich Playa d’en Bossa an, wenn Carl Cox, Alexander Coe alias Sasha, John Digweed, Armand Van Helden oder David Morales im Zentrum stehen. Ushuaïa, [UNVRS] und Amnesia sind von dort vergleichsweise gut erreichbar, wobei das Amnesia nicht direkt im Ort liegt. Wer Sven Väth bei Las Dalias und im Akasha erleben will, muss dagegen in Richtung San Carlos im Nordosten der Insel. Ein Mietwagen klingt praktisch, verträgt sich aber ausgesprochen schlecht mit einer langen Clubnacht. Auch die Tagesplanung verdient Aufmerksamkeit. Armand Van Helden beginnt im Ushuaïa bereits am späten Nachmittag, Sven Väth startet im Garten von Las Dalias am frühen Abend, während Carl Cox im [UNVRS] erst gegen Mitternacht übernimmt. Wer mehrere Abende kombiniert, sollte nicht jeden Tag mit Strand, Bootstour, Sonnenuntergang, Dinner und acht Stunden Club vollpacken.
Carl Cox, Sven Väth und David Morales zeigen drei sehr verschiedene Wege, wie 90er-Erfahrung im Jahr 2026 klingen kann. Und ja: Schlaf wird auf Ibiza weiterhin maßlos überschätzt.