Eins, zwei - letzter Takt: Das Vermächtnis von Mo-Do
Zum Todestag von Fabio Frittelli erinnern wir an sein Vermächtnis: Mo-Do und „Eins, zwei, Polizei“ gehören zu den unvergessenen Eurodance-Momenten der 90er.
Zum Todestag von Fabio Frittelli erinnern wir an sein Vermächtnis: Mo-Do und „Eins, zwei, Polizei“ gehören zu den unvergessenen Eurodance-Momenten der 90er.
Die große Dancehits der 90er findest Du hier im schnellen Mix, keine Nostalgie nur BPM in bester Qualität.
Wenn sich der Tod eines Künstlers jährt, klingen die Hits wieder lauter. Beim Todestag von Fabio Frittelli ist es dieser Bass, der sofort im Kopf angeht, gefolgt von der gezählten Ansage aus „Eins, zwei, Polizei“. Für eine ganze Generation ist Fabio Frittelli, der kreative Kopf hinter dem Projekt Mo-Do, untrennbar mit diesem Track verbunden, der sich tief in die 90er eingebrannt hat. Der frühe Tod von Fabio Frittelli im Jahr 2013 hat seine Geschichte damals viel zu abrupt enden lassen – doch der Song lebt weiter, in Clubs, auf 90er-Partys, in YouTube-Kommentaren und TikTok-Snippets. Gerade an seinem Todestag lohnt der Blick zurück auf den Mann, der diesen eigenwilligen Eurodance-Dauerbrenner möglich gemacht hat.
Geboren wurde Fabio Frittelli im norditalienischen Monfalcone, einer Region, die weit weg lag von den Studios in Mailand oder den Clubs am Gardasee, wo Anfang der 90er die Italo-Dance-Welle tobte. Trotzdem fand Fabio Frittelli früh in die Szene, zuerst als DJ, dann als Produzent, der sich vor allem für die rohe Energie des Techno interessierte. Er war einer dieser typischen 90er-Tüftler: jemand, der mehr Zeit in Studios als in Bars verbrachte, der lieber an Sounds schraubte, als auf Promo-Touren zu gehen. Als er das Projekt Mo-Do entwickelte, tat er das mit einem klaren Konzept und dem sicheren Gefühl, dass Musik manchmal gerade dann funktioniert, wenn man Bewährtes bewusst ignoriert. Fabio Frittelli wollte keine bunte Eurodance-Welt mit Rap-Strophen und Power-Refrains bauen. Er wollte einen Track schaffen, der so reduziert ist, dass er schon wieder frech wirkt.
Als Fabio Frittelli 1994 „Eins, zwei, Polizei“ veröffentlichte, war die Dance-Welt voll von Hits, die einer festen Formel folgten. Doch Fabio Frittelli ging einen anderen Weg. Der Track war ein Hybrid aus Techno-Sound, Italo-Dance und einem Minimalismus, der so weit ging, dass fast alles Überflüssige einfach weggelassen wurde. Es gab keinen klassischen Refrain, keine Harmonieflächen, keine süßen Melodien. Stattdessen ein stoischer Beat, eine markante Stimme und eine deutsche Abzählroutine, die damals so absurd wirkte, dass sie unwiderstehlich wurde. Dass ein italienischer Produzent auf Deutsch zählen ließ, war ein spielerischer Bruch mit jeder Erwartungshaltung. Fabio Frittelli schuf damit etwas, was sich zwischen Parodie, Clubtrack und Popprodukt bewegte. Und genau dieser Grenzbereich machte den Song zu einem europaweiten Phänomen. In Deutschland, Österreich und Italien erreichte der Track Platz eins – ein Triumph, der selbst Fabio Frittelli überraschte, weil die Nummer eigentlich viel zu radikal für die Hitparaden wirkte.
Nach dem überragenden Erfolg von Mo-Do arbeitete Fabio Frittelli weiter im Studio, meistens unter verschiedenen Pseudonymen und ohne großes Tourleben. Er produzierte Tracks für kleinere Projekte, experimentierte viel und blieb technisch auf der Höhe der Zeit. Doch er jagte nie wieder einem Hit hinterher. Diese Haltung passt zu dem Bild, das Kollegen von Fabio Frittelli zeichnen: ein stiller, fokussierter Musiker, der nicht wegen Ruhm oder Marktlogik im Studio saß, sondern aus echter Leidenschaft. Die späteren Mo-Do-Singles liefen moderat.
Der frühe Tod von Fabio Frittelli im Februar 2013 setzte seiner Geschichte viel zu abrupt ein Ende. Mit nur 46 Jahren starb der Musiker in Udine; die Behörden stuften seinen Tod als Suizid ein, doch die Hintergründe wurden nie öffentlich gemacht. Sicher ist nur, dass Fabio Frittelli viele Menschen mit seinem plötzlichen Abschied überrascht zurückließ. Für zahlreiche Fans wurde erst im Rückblick deutlich, wie sehr der Mann hinter Mo-Do die 90er geprägt hatte – und wie still sein Leben abseits des grellen Eurodance-Rummels verlief.
Wenn heute der Bass von „Eins, zwei, Polizei“ losrollt, denkt kaum jemand darüber nach, wie viel Feingefühl, Mut und Selbstironie darin steckt. Doch genau diese Mischung machte Fabio Frittelli zu einem der prägenden Produzenten seiner Ära.