Spice Girls Tickets (1998)
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Spice Girls Tickets (1998)
29.01.2026

Von Nirvana bis Harry Styles: Die Explosion der Ticketpreise

In den 90ern verkaufte die Lieblingsband Tickets für kleines Geld. Heute können Summen von mehreren hundert Euro anfallen. Wieso werden Tickets immer teurer? Und was tun manche Künstler dagegen?

90s90s - In The Mix mit 90s HitMix 2023 - 024

IN THE MIX

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Wir mixen für euch unsere Lieblings-90er. 90s90s In The Mix  das DJ Radio für 90er - nonstop feiern und gute Laune ohne Pause. Mit dieser Playlist müsst ihr euch um die Stimmung auf eurer nächsten Party gar keine Sorgen mehr machen!


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90s90s - In The Mix mit 90s HitMix 2023 - 024
Harry Styles (2023)
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Harry Styles (2023)

Warum regen sich Fans gerade jetzt wieder über Ticketpreise auf?

Die Aufregung über hohe Ticketpreise ist kein neues Phänomen, aber sie kommt immer wieder in Wellen. Immer dann, wenn große Tourneen angekündigt werden und plötzlich Zahlen im Raum stehen, die früher komplett absurd gewirkt hätten. 

Bei Harry Styles, Bruno Mars oder Taylor Swift sind es oft die VIP- oder Premium-Tickets, die in einer Höhe verkauft werden, bei der man sich fragt: Ist das noch normal für ein Konzert? Die Preisentwicklung der letzten Jahre ist allerdings kein Zufall oder „ganz plötzlich“ entstanden. Sie ist das Ergebnis eines Marktes, der sich seit Jahren verschiebt: Künstler brauchen mittlerweile Touren zum Überleben. 

Nirvana - Drain You (Live In Munich, Germany/1994) (Official Music Video)
Nirvana - Drain You (Live In Munich, Germany/1994) (Official Music Video)

Was kostete ein Konzertticket in den 90ern und warum ist das ein so harter Vergleich?

1994 spielten Nirvana ihr letztes Konzert in Deutschland. Tickets gab’s damals für 35 D-Mark im Vorverkauf und 41 D-Mark an der Abendkasse. Oasis verkauften die Tickets für die legendären Shows in Knebworth 1996 für 22,50 Pfund, das sind umgerechnet ca. 50 D-Mark damals gewesen. Eminem verlangte 2002 im Schnitt 34 Dollar, also knapp 36 Euro damals, für ein Ticket.  

Heute sind solche Preise für diese Megastars undenkbar. Die Ticketpreise von Oasis waren in der günstigsten Kategorie bei der Reunion-Tour mehr als dreimal so teuer. Beyoncé verlangte 2023 zwischen 70 und 100 Euro für ein normales Ticket. Das Problem sind dabei nicht nur die steigenden Preise selbst, sondern auch der Wiederverkauf auf anderen Plattformen oder das dynamische Preismodell.  

Ticketmaster
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Ticketmaster

Warum sind der Zweitmarkt und das dynamische Preismodell so ein großes Problem?

Auf Plattformen wie StubHub werden Karten für beliebte Konzerte oft Minuten nach dem eigentlichen Verkauf teilweise für über 1.000 Euro angeboten. Davon profitiert kein Künstler mehr, sondern nur noch die Verkäufer des viel zu teuren Tickets. Es geht also nicht mehr nur darum, dass ein Fan wegen Krankheit sein Ticket anbietet: Hier wird ein richtiges Geschäft betrieben. Teilweise von technisch hochgerüsteten Schwarzmarkthändlern. Einige Künstler gehen bereits dagegen vor.  

So sind Tickets mittlerweile oft personalisiert und dürfen nur auf der gekauften Plattform zum gleichen Preis angeboten werden. Aber auch das dynamische Preismodell wird zum Problem, allerdings (noch) nicht in Deutschland. In den USA ist es jedoch so, dass die Ticketpreise auf Seiten wie Ticketmaster drastisch ansteigen, wenn es eine hohe Nachfrage gibt. 

Ob dieses Modell auch nach Deutschland kommt, ist offen. Johannes Everke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e.V., sagte dem WDR gegenüber jedoch, er glaube, dass Kunden das Modell hier ablehnen würden.  

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

Demonstration in Berlin (2020)
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Demonstration in Berlin (2020)

Wieso sind die Preise in den vergangenen Jahren so rasant gestiegen?

Es gibt mehrere Gründe, wieso Tickets nicht mehr zu einem vergleichbaren Preis wie in den 90ern angeboten werden können. Künstler lebten damals eher von den verkauften Tonträgern (85 %) als vom Livegeschäft (15 %). Heute ist es genau umgekehrt. Das Livegeschäft wird zum Hauptmotor und muss dadurch mehr leisten: Einkommen sichern, Teams bezahlen und Risiken abfedern.  

Neben der Inflation spielt auch die Corona-Pandemie eine Rolle bei den gestiegenen Preisen. 2020 haben viele Techniker und Bühnenarbeiter die Branche verlassen, für einige Zeit stand sie komplett still. Jetzt müssen diese Jobs unter anderem mit höheren Löhnen attraktiver gemacht werden. 

Johannes Everke erklärte, dass die Kostensteigerung nach der Pandemie vom Personal bis zu 100% betrage, Honorare sogar bis zu 300%. Auch die Mieten für Konzertlocations werden immer teurer. Und: Jede Veranstaltung muss anders kalkuliert werden, es gibt keinen „Durchschnittwert“. 

Golden Circle
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Golden Circle

Warum können Tickets so teuer verkauft werden?

Das alles führt in der heutigen Zeit zu einem gewissen Preisanstieg. Allerdings erklärt es noch nicht die Preise für VIP-Tickets von mehreren hundert Euro oder den teureren Preis für den „Golden Circle“ um ganz vorne zu stehen. Die Antwort ist hier einfach: Die Preise dafür sind so hoch, weil die Menschen es bezahlen. Das zeigen Harry Styles, Taylor Swift oder die Oasis-Reunion. 

Je teurer eine Veranstaltung, desto begehrenswerter wirkt sie. Wenn dann noch für Meet & Greets oder Paketpreise obendrauf gezahlt werden muss, wird Nähe zur Ware. Das macht Shows exklusiv. Für manche erreichbar, für viele nicht. Das betrifft dann vielleicht sogar die Hardcore-Fans, die die Künstler nach oben gebracht haben. 

Die Toten Hosen // Pushed Again (Live in Düsseldorf)
Die Toten Hosen // Pushed Again (Live in Düsseldorf)

Was tun Bands und Künstler dagegen?

Die gute Nachricht: Nicht alle Künstler und Bands finden das gut. Auch heute gibt es schon Ideen, wie man Menschen mit weniger Einkommen den Zugang zu Konzerten erleichtern kann. die ärzte, Die Toten Hosen oder AnnenMayKantereit haben in der Vergangenheit immer wieder zu einem dreistufigen Modell gegriffen. 

Günstige, normalpreisige und freiwillige Mehrzahler-Tickets: Das Prinzip ist so simpel wie genial. Menschen, die es sich leisten können, kaufen teurere Tickets und finanzieren so günstigere, für Menschen mit weniger Einkommen. Und wer jetzt denkt, dass dieses Modell total ausgenutzt werden würde, der falsch. 

Sozialtickets werden kaum nachgefragt und die Käufer müssen einen Nachweis erbringen. Bei AnnenMayKantereit lag die Nachfrage bisher bei 0,1 Prozent der gesamten Tickets. Aber die, die sie nutzen sind extrem dankbar. Allerdings fehlt es an einer bundesweiten, unkomplizierten Lösung für Nachweise, zum Kauf eines Sozialtickets. Und zu wenige Bands oder Künstler machen bisher mit. Was nicht ist, kann ja aber noch werden.