MC Rene
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22.01.2026

MC Rene über Spotify: Das Problem ist älter als Streaming

Spotify steht immer wieder in der Kritik. MC Rene, selbst schon in den 90ern Teil der deutschen HipHop-Szene, erinnert daran: Die unfairen Regeln gab es lange vor Streaming, von TLC bis Prince.

Die Fantastischen Vier mit Es wird Regen geben

HIPHOP DEUTSCH

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Wenn man an deutschen HipHop der 90er denkt, dann denkt man natürlich sofort an Fettes Brot. Außerdem an die Fantas, Fünf Sterne deluxe, die Beginner und all diese Legenden hört ihr in unsere 90s90s HIPHOP DEUTSCH Radio. Jetzt hier einschalten!


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Die Fantastischen Vier mit Es wird Regen geben
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Mika Väisänen / CC BY-SA 3.0 de
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Wer ist MC Rene und was hat er in den 90ern gemacht?

Wenn MC Rene auf Social Media gegen die Musikindustrie schießt, weiß er, wovon er spricht. Der Rapper und Autor war bereits in den 90ern aktiv, veröffentlichte auf dem Label MZEE und prägte mit Tracks wie „Reimenergie“ eine damals aufkommende Szene. Seine Kritik an die Musikindustrie und Streamingdienste kommt aus eigener Erfahrung mit diesem System, das schon in den 90ern unfair war.

Wirtschaftlicher Erfolg und tatsächliche Einnahmen gingen schon damals weit auseinander. Die Musikindustrie funktioniert schon immer über Verträge, Vorschüsse und Rechteketten – mit klaren Gewinnern und Verlierern.

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

TLC - No Scrubs (Official HD Video)
TLC - No Scrubs (Official HD Video)

Was sagt der Fall TLC über das System der 90er aus?

Mitte der 90er waren TLC eine der erfolgreichsten Gruppen der Welt. Millionenverkäufe, Chartspitzen und Preise. Trotzdem meldete das Trio 1995 Insolvenz an. Der Grund war nicht mangelnder Erfolg, sondern die Vertragsstrukturen.

TLC erhielten laut eigenen Aussagen 56 Cent pro verkauftem Album, aufgeteilt auf alle drei Mitglieder. Produktions-, Video- und Marketingkosten wurden noch gegengerechnet. Der Fall zeigte öffentlich, dass selbst große Superstars in einem System gefangen sein konnten, in dem die Einnahmen nicht bei der Band an sich ankommen.

Warum waren TLC trotz Megaerfolg pleite?

George Michael - Freedom! ’90 (Official Video)
George Michael - Freedom! ’90 (Official Video)

Warum kämpften Prince und George Michael gegen ihre Labels?

Auch bei Prince und George Michael ging es weniger um Hits als um Kontrolle. Prince hatte früh die Rechte an seinen Masters abgegeben und erkannte erst später die Tragweite dieser Entscheidung. Sein öffentlicher Protest - das Wort „SLAVE“ im Gesicht, der Namenswechsel zu einem Symbol - war ein beispielloser Versuch, auf Vertragszwänge aufmerksam zu machen. Erst Jahrzehnte später bekam er seine Aufnahmen zurück.

George Michael wiederum geriet mit Sony in einen jahrelangen Rechtsstreit. Er kritisierte langfristige Vertragsbindungen, eingeschränkte kreative Freiheit und beschrieb seine Situation drastisch als „professionelle Sklaverei“. Auch wenn er juristisch unterlag, machte der Fall sichtbar, wie wenig Handlungsspielraum Musiker schon damals hatten.

George Michael: Der Gerichtsstreit mit Sony Music

Wie läuft das Geld bei Spotify grundsätzlich und wer bekommt es?

Bei Spotify gehen Einnahmen aus Abos und Werbung nicht pauschal pro Stream an Künstler, sondern werden über das Lizenz- und Rechte-System verteilt. Vereinfacht gesagt: Ein Teil bleibt bei der Plattform, der Rest wird an Rechteinhaber ausgeschüttet – also Labels, Vertriebe und andere Rechtepartner. Ob und wie viel davon bei Künstlern ankommt, hängt stark von Verträgen und den Strukturen dahinter ab.

MC Rene kritisiert dabei weniger die Existenz von Streaming selbst als die Verkürzung der Debatte. Wer allein auf Spotify zeigt, blende aus, dass die entscheidenden Verteilungsfragen oft vor der Plattform entschieden werden: in Verträgen, Beteiligungen und Rechteketten, die viele Künstler kaum beeinflussen können.

Martin Lorentzon & Daniel Ek, die Gründer von Spotify
  IMAGO / Kamerapress
Martin Lorentzon & Daniel Ek, die Gründer von Spotify

Welche Spotify-Features sorgen für Ärger?

Aber das ist nicht die einzige Kritik an Spotify: Seit der Einführung der 1000-Streams-Schwelle werden Tracks erst ab einer Mindestzahl an Streams überhaupt an Ausschüttungen beteiligt. Das trifft vor allem kleine Acts und Nischen-Releases.

Beim Discovery Mode kann Reichweite gegen geringere Vergütung getauscht werden. Unterm Strich entsteht der Eindruck: Sichtbarkeit wird zur Ware. Dazu kommt, dass Spotify keine KI-Musik blockiert. MC Rene sieht darin nicht direkt einen Kritikpunkt, sondern erklärt welchen Unterschied es macht, ob die Labels und Spotify oder die Künstler KI „kontrollieren“.

Viele Hörer kritisieren Spotify jedoch auch aus anderen Gründen: Es sei zu teuer, und Daniel Ek stecke das Geld in die Rüstungsindustrie. MC Rene sagt, man solle Spotify nicht als Einnahmequelle sehen, und erklärt, dass das System nie fair sein werde: „Baut eure eigene Infrastruktur. […] Organisiert euch. Druck ist möglich. […] Die Frage ist nicht, ob du das System ändern kannst. Die Frage ist, ob du dein eigenes baust.“

MC Rene - Die neue Reimgeneration

Die neue Reimgeneration
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