Tupac (1994)
  IMAGO / MediaPunch
Tupac (1994)
28.01.2026

Keefe D will Beweise kippen lassen

Fast 30 Jahre nach dem Mord an Tupac Shakur wird der Fall wieder juristisch heiß: Duane Keith Davis will zentrale Fundstücke aus einer nächtlichen Razzia nicht als Beweisstücke zulassen.

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Warum will Duane Keith Davis im Mordfall Tupac Shakur Beweise unterdrücken lassen?

Es gibt Fälle, die verschwinden einfach nicht aus dem Pop-Gedächtnis. Der Mord an Tupac Shakur gehört dazu – ein Verbrechen, das seit 1996 zwischen Mythos, Straßenrealität und Medienindustrie pendelt. Und genau deshalb wirkt es fast surreal, dass jetzt ein juristischer Hebel angesetzt wird, der das Verfahren in Las Vegas massiv beeinflussen könnte. Duane Keith Davis, vielen seit Jahren als Duane “Keefe D” Davis bekannt, versucht aktuell, entscheidende Beweismittel aus dem Prozess entfernen zu lassen.

Wir sprechen in unserem Podcast "Pop Crimes" ausführlich über den Tod von Tupac Shakur.

Folge 12 | 01.05.2025 | 59:04

Tupac Shakur – Der Deal mit dem Teufel

Ein Vertrag mit Death Row Records – und vielleicht mit dem Teufel. Wenige Monate später ist 2Pac tot. Erschossen in einem fahrenden BMW in Las Vegas. Der Mord: bis heute ungeklärt. Wie konnte einer der klügsten, leidenschaftlichsten Rapper seiner Zeit zum Symbol eines eskalierenden Kulturkampfs werden? Und warum bleibt sein Tod bis heute ein Mythos? Das hört ihr in der elften Folge "Pop Crimes".
Duane Keith Davis (2023)
IMAGO / ZUMA Wire
Duane Keith Davis (2023)

Wer ist Duane Keith Davis – und warum geht es um ihn?

Duane Keith Davis ist der bislang einzige Angeklagte, der im Mordfall Tupac Shakur in direkter Verbindung steht. Duane Keith Davis wurde im September 2023 festgenommen und plädierte auf nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an der Organisation der Tat beteiligt gewesen zu sein, die am 7. September 1996 in Las Vegas zum tödlichen Drive-by führte. Die Hintergründe zu seiner Verhaftung erläutern wir im Deep Dive zum Fall.

Folge 11 | 01.05.2025 | 17:34

Tupac Shakur – Der Deal mit dem Teufel

Ihr wollt noch mehr über den Fall "Tupac Shakur – Der Deal mit dem Teufel" erfahren? Dann seid ihr im Deep Dive genau richtig. Hier gehen wir tiefer auf die Beziehung von 2Pac und Biggie ein und schauen uns die Ungereimtheiten rund um den verhängnisvollen Mord an Tupac Shakur nochmal genauer an. Was ist mit der Tatwaffe? Und wer steht aktuell für den Mord vor Gericht?

Der neue Knackpunkt: „Unlawful nighttime search“

Die Anwälte von Duane Keith Davis haben einen Antrag gestellt, um Beweise zu unterdrücken, die bei einer nächtlichen Durchsuchung sichergestellt wurden. Ihre Argumentation: Der Durchsuchungsbeschluss sei nur erteilt worden, weil das Gericht ein verzerrtes, „gefährliches“ Bild von Duane Keith Davis präsentiert bekommen habe – und genau diese Darstellung habe die Ausnahme begründet, überhaupt nachts durchsuchen zu dürfen. In Nevada – wie in vielen US-Bundesstaaten – gelten Nacht-Durchsuchungen als besondere Maßnahme, die wirklich begründet werden muss. Genau daran hängt die Verteidigung: Sie sagt, es habe keinen echten Grund gegeben, die Durchsuchung so auszuführen. Laut Antrag sei dem Gericht suggeriert worden, Duane Keith Davis sei ein aktiver, gefährlicher Dealer, wodurch ein Risiko konstruiert worden sei: mögliche Flucht, Gewalt oder das Verschwinden von Beweisen. Wenn diese Basis als falsch bewertet wird, kann das Gericht sagen: Der Beschluss war fehlerhaft – und dann können die Ergebnisse daraus unzulässig sein

Die Verteidigung zeichnet ein deutlich anderes Bild von Duane Keith Davis. Sie behauptet, er habe den Drogenhandel bereits 2008 verlassen, später in der Inspektionsarbeit für Ölraffinerien gearbeitet, sei ein 60-jähriger pensionierter Krebsüberlebender, der seit Jahren mit seiner Frau in Henderson lebt – also nicht gerade das Profil, wegen dem man ein Haus „wie im Actionfilm“ nachts umstellt. Und der zentrale Satz im Antrag ist sinngemäß: Das Gericht habe all diese entlastenden Details gar nicht gehört.

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

Kreuzung East Flamingo Road/Koval Lane (2012)
Adam Kliczek / Wikipedia / CC BY-SA 3.0
Kreuzung East Flamingo Road/Koval Lane (2012)

Was die Polizei damals als Begründung nannte

Die Las Vegas Metropolitan Police argumentierte hingegen, eine Nachtaktion sei nötig gewesen, um die Umgebung zu sichern und das Risiko für Anwohner zu minimieren. Man habe verhindern wollen, dass Duane Keith Davis sich verbarrikadiert, und falls es eskaliert, könnten Nachbarn im Dunkeln schneller evakuiert werden. Außerdem wurde bei der Durchsuchung Material mitgenommen, das für die Ermittlungen wichtig sein könnte: elektronische Geräte und Fotos. In solchen Fällen kann genau diese Mischung aus Digitalspuren und Archivmaterial später vor Gericht Gold wert sein.

Der Antrag auf Unterdrückung ist deshalb nicht nur ein juristischer Nebenkriegsschauplatz, sondern potenziell ein echter Gamechanger. Wenn ein Gericht entscheidet, dass die Durchsuchung unrechtmäßig war, können sichergestellte Geräte, Fotos oder weitere Inhalte aus dem Verfahren fliegen. Und in einem Fall, der so alt ist wie der von Tupac Shakur, zählt jedes greifbare Stück Gegenwart – weil klassische Tatortspuren aus 1996 längst nicht mehr „frisch“ sind. Genau deshalb ist das, was bei der Razzia gefunden wurde, für die Staatsanwaltschaft besonders wertvoll.

Keefe D hat sich selbst zur Story gemacht

Noch schärfer wird es, weil die Verteidigung nicht nur die Durchsuchung angreift, sondern auch die gesamte Grundlage der öffentlichen Wahrnehmung von Duane Keith Davis. Sie behauptet: Duane Keith Davis habe jahrelang öffentlich behauptet, in dem weißen Cadillac gesessen zu haben, aus dem Tupac Shakur erschossen wurde – aber genau diese Aussagen seien „false public statements“ gewesen. Der Vorwurf ist hart: Duane Keith Davis habe sich selbst als Schlüsselfigur ins Zentrum gestellt, weil es sich gelohnt habe – finanziell und medial. Dokumentationen, Interviews, sein Buch von 2019: alles Produkte eines Mythos, der sich eben auch monetarisieren lässt.

Die Anwälte von Duane Keith Davis vergleichen den Mord an Tupac Shakur sinngemäß mit einem Popkultur-Äquivalent zum JFK-Attentat: endlos analysiert, mythologisiert, verkauft. Und genau darin liege der Anreiz, sich selbst in die Mitte zu setzen, selbst wenn man gar nicht dort war. Juristisch ist das relevant, weil es bedeutet: Die Öffentlichkeit kennt eine Version der Geschichte, aber vor Gericht zählt, was wirklich belegbar ist – und wenn Aussagen eher Entertainment als Geständnis waren, versucht die Verteidigung, das zu entwerten.

2Pac - Dear Mama
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Tupac Shakur bleibt die Hauptfigur – auch im Gerichtssaal

Bei all dem darf man nicht vergessen: Der Name, der alles zusammenhält, ist Tupac Shakur. Auch 2025 ist Tupac Shakur nicht einfach „ein 90er-Rapper“. Er ist eine kulturelle Folie für Polizeigewalt. Seine Musik – etwa das Album "All Eyez on Me" – wirkt bis heute wie ein Soundtrack für Größenwahn und Verwundbarkeit zugleich. Dass sein Mordfall jetzt wieder vor Gericht verhandelt wird, ist deshalb nicht nur Krimi, sondern auch Popgeschichte im Live-Modus.

Aktuell ist entscheidend, wie das Gericht den Antrag von Duane Keith Davis bewertet. Die Staatsanwaltschaft hat sich öffentlich bislang nicht detailliert dazu geäußert, unter anderem wegen des laufenden Verfahrens. Der Fall ist juristisch längst nicht „durch“, und jeder Versuch, Beweise zu kippen, ist ein Hinweis darauf, wie stark beide Seiten um die Narrative kämpfen. Timing ist kein Zufall. Der Prozess gegen Duane Keith Davis zieht sich, es gab Verschiebungen und juristische Nebenstränge – unter anderem war auch bereits eine gescheiterte Strategie im Umlauf, den Fall grundsätzlich wegen verfassungsrechtlicher Probleme zu stoppen. Das zeigt, wie aggressiv hier prozessiert wird. Die neue Beweis-Unterdrückung ist die nächste Stufe: Wenn man die Substanz der Ermittlungen trifft, muss man nicht einmal den gesamten Fall sprengen – es reicht, ihn zu schwächen.

Wir sagen: Der Mord an Tupac Shakur ist längst mehr als ein Crime-Case – er ist eine Industrie. Gerade deshalb wirkt es fast gesund, wenn ein Gericht gezwungen wird, mal wieder knallhart auf Verfahrensregeln zu schauen statt auf Legendenstatus. Und ja: Dass Duane Keith Davis jetzt ausgerechnet über eine nächtliche Durchsuchung angreift, ist juristisch clever. Für Fans könnte es aber bedeutet, dass es nie zu einer Verurteilung im Fall Tupac Shakur kommen wird.

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