34 Jahre „Rhythm Is a Dancer“: Wie Snap! die Welt eroberten
Am 30. März 1992 erschien „Rhythm Is a Dancer“ - der Song bleibt unsterblich, auch 34 Jahre später. Die Story hinter SNAP!, Frankfurt und einem Song, der bis heute alles überstrahlt.
Am 30. März 1992 erschien „Rhythm Is a Dancer“ - der Song bleibt unsterblich, auch 34 Jahre später. Die Story hinter SNAP!, Frankfurt und einem Song, der bis heute alles überstrahlt.
Nur heute (30.3.) bei 90s90s: Das „RHYTHM IS A DANCER“ SPECIAL. Wir feiern diesen ikonischen 90s Track heute den ganzen Tag zusammen mit 90s Größen wie Alex Christensen, Mousse T., DJ Bobo und dem Erfinder von Snap - Luca Anzilotti.
Am 30. März 1992 wird „Rhythm Is a Dancer“ veröffentlicht und aus einer Dance-Single wird in kurzer Zeit ein internationaler Hit. Der Song steht wie kaum ein anderer für den Moment, in dem Eurodance endgültig im Mainstream ankommt. Was vorher schon in Clubs, auf Maxis und in Szenekreisen funktioniert hat, wird mit diesem Track plötzlich massentauglich. Die Nummer läuft im Radio, in Diskotheken, auf Partys und später auch in zahllosen Musik-Formaten.
Das Erstaunliche: Der Song war zunächst gar nicht als große Single vorgesehen. Das Label Logic Records entschied sich, den Track im eigenen Umfeld zu testen – im Frankfurter Club Omen. Das war nicht irgendeine Disco, sondern einer der wichtigsten Orte der damaligen Szene. Hier traf sich genau das Publikum, für das solche Tracks gemacht waren: Clubgänger, DJs, Szeneleute.
Die Idee war simpel: Track auflegen, Reaktion beobachten. Und die Reaktion der Gäste war eindeutig. Der Song funktionierte sofort. Die Leute gingen auf die Tanzfläche, die Energie stimmte, der Track zog sie einfach mit. Damit war klar, dass das kein versteckter Albumtrack ist, sondern ein potenzieller Hit.
Und der Erfolg konnte sich sehen lassen. Der Song erreicht in mehreren Ländern Platz 1 und wird zur meistverkauften Single in Deutschland und England. In den USA schafft es der Track bis auf Platz 5 und bleibt dort außergewöhnlich lange in den Charts. Für ein deutsches Dance-Projekt wie Snap! war das Anfang der 90er alles andere als selbstverständlich.
Dazu kommt der kulturelle Effekt. Einige 90er-Hits altern schlecht, weil sie stark an einen ganz bestimmten Soundtrend gebunden sind. „Rhythm Is a Dancer“ funktioniert anders. Der Song ist klar in seiner Zeit verankert, aber gleichzeitig größer als die 90er.
Hinter Snap! standen vor allem Michael Münzing und Luca Anzilotti, zwei Produzenten aus dem Rhein-Main-Gebiet, die mit ihrem Sound Musikgeschichte geschrieben haben. Nach außen arbeiteten sie unter den Pseudonymen Benito Benites und John Virgo Garrett III. Das war kein Zufall: Damals glaubten sie, dass deutsche Produzenten international mit vermeintlich amerikanisch klingenden Namen bessere Chancen hätten.
Das Duo war eng mit der Frankfurter Szene der 80er verbunden. Münzig und Anzilotti waren nicht einfach Produzenten, die plötzlich in den 90ern einen Hit landeten. Sie kamen aus einer Entwicklung heraus, in der Clubs, DJs und frühe Elektromusik eine große Rolle spielten.
Schon vor Snap! Waren Michael Münzing und Luca Anzilotti mit Projekten wie 16 BIT und OFF aktiv. Dort kreuzten sich ihre Wege auch mit dem DJ Sven Väth, einer der prägenden Figuren der Frankfurter Clubkultur. Das Projekt Snap! fiel nicht einfach so vom Himmel, sondern entstand aus den 80ern, aus Italo Disco, frühem House, Acid House und dem „Sound of Frankfurt“.
Dazu kam das Frankfurter Umfeld mit Clubs wie dem Dorian Gray und später dem Omen, die weit mehr waren als bloße Ausgehorte. Hier entstanden neue Sounds, Trends und Karrieren. Und es entwickelt sich das, was später als Eurodance weltweit bekannt wird. Klingt also fast nach Schicksal, dass „Rhythm Is a Dancer“ durch einen Clubtest als Single erkannt wird.
Die Stimme, die den Song so unverwechselbar macht, gehört Thea Austin. Die US-Sängerin war nicht nur die Frau am Mikrofon, sondern auch kreativ stark beteiligt. Sie schrieb am Album "The Madman's Return" mit.
Der Rap-Part kommt von Turbo B, mit bürgerlichem Namen Durron Maurice Butler. Er ist der Mann, den viele damals automatisch mit Snap! verbinden, weil er in der ersten Phase das Gesicht des Projekts war. Turbo B stammt aus den USA, war zeitweise bei der Army in Deutschland stationiert und landete anschließend hier in der Musikszene. Über Stationen in Frankfurt führte sein Weg zu Snap!.
Auch im Video zu „Rhythm Is a Dancer“ standen Thea Austin und Turbo B im Mittelpunkt. Gedreht wurde der Clip in Florida am Kennedy Space Center. Das ist gleichzeitig auch die letzte große Snap!-Phase, in der Thea Austin und Turbo B gemeinsam so präsent zu sehen sind.
Nach dem riesigen Erfolg 1992 bleibt Snap! zwar ein großer Name, aber die Besetzungen wechseln weiter. Aber das war typisch für das Projekt. Im Zentrum – wenn auch eher im Hintergrund – standen die Produzenten Münzing und Anzilotti. Die Stimmen und Gesichter auf der Bühne variierten immer wieder. Nach Thea Austin und Turbo B tauchen weitere Namen auf. Etwa Niki Haris, die zuvor als Backgroundsängerin von Madonna bekannt geworden war.
Turbo B hatte sich nach seinem Ausstieg bei Snap! seiner Solokarriere gewidmet und 1993 das Album „Make Way For the Maniac“ veröffentlicht. Er gründete eine neue Musikgruppe und tritt immer wieder als Feature-Gast mit anderen Acts zusammen auf.
Mitte der 90er lässt der ganz große internationale Druck dann nach, doch Snap! verschwindet nie ganz. Es folgen Best-of-Veröffentlichungen, Neuaufnahmen und Remixe. „Rhythm Is a Dancer“ wird über die Jahre immer wieder neu gedacht.
Heutzutage steht wieder Penny Ford für Snap! auf der Bühne.
Ihr habt die Möglichkeit, sie am 30. April live in Dresden zu erleben. Penny Ford tritt bei 90s90s Dance in den Mai im Blauen Salon auf. Außerdem könnt ihr euch vor Ort auch auf Tom Wax aus unserm 90s90s DJ-Team freuen.