Supergrass planen ihre nächste Tour
Supergrass öffnen für ihre nächste Tour den kompletten Katalog und kündigen neben den großen Singles ausdrücklich selten gespielte Songs an. Deutsche Fans müssen sich allerdings noch gedulden.
Supergrass öffnen für ihre nächste Tour den kompletten Katalog und kündigen neben den großen Singles ausdrücklich selten gespielte Songs an. Deutsche Fans müssen sich allerdings noch gedulden.
Die Bands mit Gitarre haben es euch in den 90s am meisten angetan? Britpop war euer Ding? Dann slidet hier mal in unser 90s BRITPOP Radio.
Gaz Coombes hat für das Frühjahr 2027 eine neue Tour mit Supergrass angekündigt. Neun Konzerte stehen bislang im Kalender: Los geht es am 26. April in Newcastle, danach folgen Glasgow, Leeds, Manchester, Nottingham, Birmingham und London, bevor Gaz Coombes mit der Band über Bristol am 12. Mai in Portsmouth landet. Der allgemeine Vorverkauf beginnt am 4. September 2026. Für Gaz Coombes ist dabei vor allem entscheidend, dass die neue Runde anders funktionieren soll als die Konzerte des vergangenen Jahres. 2025 hatte Supergrass das 30-jährige Jubiläum des Debütalbums "I Should Coco" gefeiert und das Album bei den entsprechenden Shows komplett gespielt. 2027 soll nicht mehr ein einzelnes Werk den Rahmen setzen, sondern die gesamte Bandgeschichte.
„Wir werden durch die Platten gehen und noch mehr Hits und Deep Cuts für eure Ohren rausholen“, kündigte Gaz Coombes an. Das klingt zunächst wie normales Tour-Marketing, ist bei Gaz Coombes aber durchaus eine Ansage. Supergrass besitzen schließlich einen Katalog, der weit über "Alright" hinausgeht. "Caught By The Fuzz", "Going Out", "Richard III", "Sun Hits The Sky", "Moving", "Pumping On Your Stereo" oder "Grace" markieren verschiedene Phasen einer Band, die sich nie besonders lange auf demselben Sound ausgeruht hat. Genau deshalb könnte der Hinweis auf die Deep Cuts mehr sein als eine hübsche Zeile für das Tourplakat.
Die Single erreichte in Großbritannien Platz zwei und entwickelte ein Eigenleben, das bis heute anhält. Das sonnige Video, die jugendliche Energie und ein Refrain, der selbst Menschen bekannt vorkommt, die mit dem Namen Supergrass zunächst wenig anfangen können, machten aus einem Albumtrack einen der sofort wiedererkennbaren britischen Songs der Mitte der 90er.
"Alright" öffnet zwar jede Tür, verstellt aber gleichzeitig einen Teil des Blicks auf das, was Supergrass danach gemacht haben. Schon das zweite Album "In It For The Money" von 1997 klang härter, dichter und teilweise deutlich weniger unbekümmert als das Debüt. In Großbritannien erreichte das Album Platz zwei. Das selbstbetitelte dritte Studioalbum "Supergrass" kam 1999 bis auf Platz drei. Mit Gaz Coombes entwickelte sich Supergrass weiter, während ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung hartnäckig bei Fahrrädern, Koteletten und "Alright" stehen blieb. Songs wie "Richard III" oder "Sun Hits The Sky" zeigten eine Band, die deutlich mehr Druck hatte, "Moving" spielte mit Dynamik und Melancholie, und "Pumping On Your Stereo" verband große Pop-Gesten mit der typischen leicht albernen Seite von Gaz Coombes und seinen Kollegen.
Genau diese Diskrepanz macht die 2027er Idee von Gaz Coombes interessant. Eine Tour mit Hits und Deep Cuts kann den bekannten Einstieg liefern, ohne anschließend so zu tun, als habe Supergrass nach 1995 nur noch darauf gewartet, dass irgendwo wieder "Alright" gewünscht wird. Wer ein Publikum nach drei Jahrzehnten noch einmal durch sechs Alben führen kann, muss nicht zwingend ein neues Album erfinden, um musikalisch etwas zu erzählen.
Ganz geradlinig verlief die Geschichte von Gaz Coombes allerdings nicht. 2010 beschlossen Gaz Coombes, Danny Goffey, Mick Quinn und Rob Coombes, Supergrass nach 17 Jahren zu beenden. Die Begründung war beinahe schon Rockstandard: musikalische Differenzen. In der damaligen Erklärung hieß es sinngemäß, die Mitglieder würden sich weiterhin mögen, musikalisch aber getrennte Wege gehen. Hinter dieser ziemlich höflichen Formulierung steckte bei Gaz Coombes offenbar mehr als ein spontaner schlechter Tag im Proberaum. Gaz Coombes erklärte später, dass die Arbeit am geplanten siebten Album nicht fokussiert genug gewesen sei und es innerhalb der Band durchaus Auseinandersetzungen gegeben habe. Solange die Musik funktioniert habe, hätten sich solche Spannungen leichter übergehen lassen. Als auch das Material nicht mehr überzeugte, fehlte dieses verbindende Element. Interessant ist aus heutiger Sicht, dass Gaz Coombes damit einen anderen Weg ging als manche Band, die sich öffentlich zerlegt und Jahrzehnte später ausgerechnet das alte Drama zum Verkaufsargument gemacht hat. Bei Supergrass gab es keinen besonders ergiebigen Rosenkrieg, keine Brüder, die sich über Jahre gegenseitig Interviewzeilen hinterherwarfen, und keinen zwingenden Grund, eine Reunion mit einer großen Versöhnungserzählung aufzublasen.
Dabei hat Gaz Coombes immer wieder deutlich gemacht, dass er die Einordnung von Supergrass als typische Britpop-Band nur begrenzt hilfreich findet. Der Begriff passt zeitlich, geografisch und natürlich auch musikalisch an vielen Stellen. Trotzdem war die Band weder Teil des großen Boulevard-Duells zwischen Blur und Oasis, noch wollte Gaz Coombes die damals verbreitete Lad-Kultur im Nachhinein besonders verklären. Im Gespräch mit NME sagte Gaz Coombes 2024 über diese Seite der Ära: „Wir waren kein Teil davon und mochten diese Seite auch nicht besonders.“ Für Gaz Coombes war die Erinnerung an die 90er stärker mit der kreativen Freiheit verbunden, die Supergrass damals hatten. Dazu gehörte auch ein Plattenlabel, das mehrere Alben lang investierte, anstatt nach zwei nicht perfekt performenden Singles schon nervös zu werden. Auch musikalisch war Gaz Coombes nie ausschließlich im Britpop-Zirkel unterwegs. Als Einflüsse nannte Gaz Coombes unter anderem The Beatles und The Kinks, während die enorme Live-Energie von Supergrass wiederum in den USA bei Bands wie Foo Fighters und Pearl Jam gut ankam. Gaz Coombes erinnerte sich später daran, wie sehr diese US-Bands gerade die Energie der kleineren britischen Kollegen mochten.
Ob Gaz Coombes 2027 tatsächlich mit Supergrass nach Deutschland kommt, bleibt damit vorerst die offene Frage. Der aktuelle Tourplan enthält ausschließlich britische Shows. Gleichzeitig spricht bei Gaz Coombes einiges dafür, die Tourankündigung noch nicht als endgültigen Schlusspunkt unter 2027 zu lesen. Die Band ist aktiv, die Jubiläumsshows von 2025 haben Supergrass wieder dauerhaft ins Live-Geschehen gebracht, und Gaz Coombes denkt für die nächste Runde ausdrücklich über das komplette Repertoire nach. Das schafft einen guten Anlass, mehr als nur dieselben zwölf Songs noch einmal durch die britischen Clubs zu schicken.