The Calling: Vom Welthit zum Comeback nach 22 Jahren
Mit „Wherever You Will Go“ wurden The Calling weltberühmt. Dann verschwanden sie. Was hinter ihrem größten Hit steckt und warum das neue Album 22 Jahre brauchte.
Mit „Wherever You Will Go“ wurden The Calling weltberühmt. Dann verschwanden sie. Was hinter ihrem größten Hit steckt und warum das neue Album 22 Jahre brauchte.
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„Wherever You Will Go“ von The Calling ist so ein Song, der einfach hängen bleibt. 2001 wurde die Rockballade zum weltweiten Erfolg, erreichte in Deutschland Platz 16 der Charts und hielt sich in den USA ganze 23 Wochen an der Spitze der Radiocharts. Das Musikmagazin Billboard kürte ihn später sogar zum erfolgreichsten Adult-Pop-Radiosong der 2000er-Jahre.
Dabei hätte es diesen Erfolg beinahe nicht gegeben. Die Plattenfirma RCA war zunächst wenig begeistert von „Wherever You Will Go“. Erst als der Song im Film „Coyote Ugly“ genutzt wurde, änderte sich das.
„Als ‚Coyote Ugly‘ den Song wollte, hieß es beim Label plötzlich: ‚Oh, das ist ein Hit‘“, erinnerte sich Sänger Alex Band im Interview mit Billboard. Danach durften The Calling endlich ihr Debütalbum aufnehmen.
Trotzdem mussten sich The Calling gedulden. Alex Band erzählte im September 2026 gegenüber Indy Review, dass es fast ein Jahr dauerte, bis sich der Song im Radio wirklich durchsetzte: „Gegen Ende wollte die Plattenfirma schon aufgeben. Der Song schaffte es einfach nicht in die Top 10, und ich habe buchstäblich mein Konto leergeräumt, um ihn noch ein bisschen länger zu pushen. Und dann hat er es tatsächlich geschafft.“
Auch die Geschichte hinter „Wherever You Will Go“ dürfte zum Erfolg beigetragen haben. Gitarrist Aaron Kamin wurde durch einen Todesfall inspiriert. Die beste Freundin seiner Großmutter war gestorben und hatte ihren Mann nach mehr als 50 gemeinsamen Jahren zurückgelassen. Kamin fragte sich, wie man mit einem solchen Verlust weiterlebt und ob es eine Möglichkeit gäbe, dem geliebten Menschen wieder nahe zu sein.
Der Song handelt vom Tod, aber irgendwie wurde er zu einem Lied, das die Menschen sowohl auf Hochzeiten als auch auf Beerdigungen spielen.
Auch wenn The Calling erst 2001 ihren großen Durchbruch feierten, begann ihre Geschichte schon 1996. Sänger Alex Band und Gitarrist Aaron Kamin fanden durch einen eher lustigen Zufall zueinander: Kamin war damals mit der Schwester von Band zusammen.
Die beiden begannen schon als Teenager, gemeinsam Songs zu schreiben und Musik zu machen. Zunächst traten sie unter dem Namen Generation Gap auf, später nannten sie sich Next Door. Erst zum Ende der 90er wurde daraus The Calling.
Musikalisch passten The Calling perfekt zu Bands wie Third Eye Blind und Goo Goo Dolls, die mit ihrem Sound schon in den späten 90ern erfolgreich waren. 2001 erschien dann das Debütalbum „Camino Palmero“, das sich weltweit mehr als fünf Millionen Mal verkaufte.
Wie groß der Hype um The Calling war, zeigte sich auch 2002 bei den MTV Europe Music Awards: Dort gewann die Band den Preis als bester Newcomer und setzte sich gegen Künstler wie Shakira, Avril Lavigne und The Strokes durch.
Ein weltweiter Hit klingt nach einem perfekten Start für eine Band. Für The Calling wurde „Wherever You Will Go“ allerdings auch zum Problem. Wie für viele Bands, die direkt zu Beginn diesen einen großen Hit hatten, wurden auch The Calling nur noch an diesem Song gemessen.
In einem Interview mit Billboard erinnerte sich Kamin an die Beschreibung eines Mitarbeiters der Plattenfirma, der „Wherever You Will Go“ einmal als „den Song, der die Band auffraß“ bezeichnet hatte.
Alex Band und Aaron Kamin hatten zudem unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Karriere. Während Band möglichst viele Möglichkeiten nutzen wollte, um den Erfolg auszubauen, war Kamin skeptischer. Er wollte nicht jeden Auftritt mitnehmen, nur um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
2004 veröffentlichten The Calling ihr Album „Two“. Obwohl die Single „Our Lives“ unter anderem bei den Olympischen Spielen 2004 zu hören war, blieb der große Erfolg aus. 2005 war Schluss. Alex Band startete eine Solokarriere und veröffentlichte unter anderem den Song „Tonight“, Aaron Kamin arbeitete unter anderem als Songwriter für andere Künstler. Die beiden zerstritten sich auch wegen der Rechte am Bandnamen.
2013 versuchte Band, mit The Calling ein Comeback zu starten. Doch kurz nach einem Auftritt in Michigan wurde er schwer verletzt. Der Sänger berichtete, er sei von mehreren Männern in einen Kleinbus gezerrt, ausgeraubt und brutal zusammengeschlagen worden. Anschließend hätten ihn die Angreifer in der Nähe von Bahngleisen zurückgelassen.
Allerdings gab es erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. Wie Die Welt berichtet, zeichneten spätere Ermittlungen ein anderes Bild. Demnach deuteten Zeugenaussagen, Textnachrichten und weitere Beweise darauf hin, dass Band mit einem Taxi zu einer Bar gefahren war und sich dort mit einem Mann getroffen hatte.
Bei einem anschließenden Streit soll dieser ihn zusammengeschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte laut dem Bericht, dass die Beweise die ursprüngliche Entführungsgeschichte nicht stützten. Band selbst hält an seiner Schilderung fest und wies auch im Interview mit Indy Review im September 2026 die Vorwürfe zurück, er habe den Vorfall erfunden. Das geplante Comeback konnte sich damals nicht durchsetzen.
Zum ersten Mal habe ich Musiker in der Band, die auch wirklich die Band sind. Mein Gitarrist Daniel Damico und mein Bassist Dom Liberati haben dieses Album gemeinsam mit mir geschrieben. Natürlich sind auch einige ältere Ideen dabei, die ich über die Jahre gesammelt habe.
In der Pressemitteilung zum Album erklärte er: „Wir versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen. Wir machen die Musik, die wir machen wollen, und bringen den Sound von The Calling zurück, auf den unsere großartigen Fans auf der ganzen Welt gewartet haben.“
Und nach dem neuen Album soll nicht schon wieder Schluss sein. Band hat weitere Musik angekündigt und möchte wieder regelmäßig auf Tour gehen. Dass er den Erfolg von „Wherever You Will Go“ noch einmal übertreffen kann, glaubt Band inzwischen selbst nicht mehr. Im Interview mit Indy Review sagte er, dass es ihm inzwischen vor allem darum gehe, seine Fans glücklich zu machen und weiter Musik veröffentlichen zu können.