Daniel Day-Lewis & Emma Thompson in "In The Name Of The Father"
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Daniel Day-Lewis & Emma Thompson in "In The Name Of The Father"
Story

Zwei vergessene Soundtrack-Perlen der 90s

Am 17. März 1994 startete „Im Namen des Vaters“ in Deutschland. Im Soundtrack zu hören: Bono und Sinéad O’Connor.

90s90s - In The Mix mit 90er Megamix 2023 - 08

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Wir mixen für euch die besten 90er Hits für eure eigene 90s Party.


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In the Name of the Father Official Trailer #1 - Daniel Day-Lewis Movie (1993) HD
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Welche Songs machen den Soundtrack von „Im Namen des Vaters“ so besonders?

Für „Im Namen des Vaters“ schrieben Bono und Gavin Friday mit Maurice Seezer drei neue Songs, darunter „In the Name of the Father“ und „You Made Me the Thief of Your Heart“. Songs, die leider untergegangen sind.

Manchmal braucht es einen Kinosaal, um Musik zu entdecken. Der 17. März 1994 ist so ein Datum: „Im Namen des Vaters“ läuft in Deutschland an, ein Film über Wut, Justizirrtum und das Gefühl, dass dir die Welt nicht zuhört – und plötzlich ist da Musik, die genau so klingt. Bono ist hier nicht der Frontmann von U2, sondern ein Erzähler im Schatten. Und Gavin Friday ist sein Anker in die irische Kultur des Widerstands.

Zwei Dubliner, ein anderes Bono-Universum

Dass Bono und Gavin Friday überhaupt gemeinsam Musik veröffentlichen, ist keine zufällige Star-Kombi, sondern eine alte Dublin-Connection, die lange vor dem Weltruhm existiert. Bono und Gavin Friday kannten sich schon als Jugendliche, bevor U2 zur Weltmarke wurde und bevor Gavin Friday mit Virgin Prunes den Kunst-Post-Punk lebte. Regisseur Jim Sheridan hat diese Freundschaft gezielt angezapft, als er den Soundtrack für „Im Namen des Vaters“ aufbauen wollte. Er brauchte keine Hitmaschine, sondern Stimmen, die diese irische Geschichte von innen verstehen.

Jim Sheridan erzählt in „Im Namen des Vaters“ den Skandal um die Guildford Four und das zerstörerische Zusammenspiel aus Politik, Angst und Justiz. Für diese Atmosphäre musste der Soundtrack symbolisch werden – auch wenn mit Trevor Jones bereits ein erfahrener Filmkomponist an Bord war. Jim Sheridan wollte Songs, über den Film hinauswachsen. Also sprach er Bono und Gavin Friday an. Gemeinsam schrieben sie drei Songs für den Film, zwei davon nahmen Bono und Gavin Friday selbst auf, der dritte ging an Sinéad O’Connor.

Der Titeltrack „In the Name of the Father“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie weit Bono sich in den 90ern manchmal von U2 wegbewegen konnte, wenn er das wollte. Der Song hat etwas Unruhiges, fast Getriebenes. Irgendwo erinnert der Sound sogar an „Sunday Bloody Sunday“, den frühen, sehr politischen Hit von U2. Aber im U2-Universum fand der Song keinen Platz.

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

Sinéad O'Connor - You Made Me the Thief of Your Heart (Live at Top of the Pops in 1994)
Sinéad O'Connor - You Made Me the Thief of Your Heart (Live at Top of the Pops in 1994)

Der Song war lange nirgends „zu Hause“

Sinéad O’Connor singt dieses Stück in ihrer typischen, unangepassten Art. Geschrieben wurde der Song wieder von Bono, Gavin Friday und Maurice Seezer. Ein echter Grund, warum „You Made Me the Thief of Your Heart“ bis heute so ein Insider-Tipp geblieben ist, liegt nicht in der Qualität, sondern in der Veröffentlichungspolitik. Der Song war 1994 eine Single, aber er erschien nicht auf einem regulären Studioalbum von Sinéad O’Connor. Wer also nicht gezielt den Film-Soundtrack oder die Single kaufte, bekam den Song schlicht nicht automatisch mit. Und das ist die Ironie: Ein Track, der so stark ist, dass er in mehreren Ländern Charts erreichte, wurde im Alltagsbewusstsein trotzdem nie so groß wie er hätte sein können.

Warum funktionieren diese Songs heute so gut?

Jahrzehnte nach dem deutschen Kinostart von „Im Namen des Vaters“ ist der Soundtrack kein nostalgisches Souvenir, sondern fast eher ein Reminder, wie mutig Popmusik in den 90ern sein konnte. Bono nimmt sich mit Gavin Friday die Freiheit, nicht nach U2 zu klingen (oder doch?). Und Sinéad O’Connor singt, als würde sie das Leid der Guildford Four am eigenen Körper erleiden.

Für Deutschland ist der 17. März 1994 der Punkt, an dem diese Musik überhaupt erst richtig in Umlauf kommt. Klar, der Film existierte international schon früher, aber ab diesem Datum läuft „Im Namen des Vaters“ hier regulär an – und mit ihm der Soundtrack. Wer sich heute fragt, warum diese zwei Tracks nicht längst Alltagsklassiker sind, bekommt eine simple Antwort: Im Soundtrack versteckt.

Wir sagen: Dass „In the Name of the Father“ und „You Made Me the Thief of Your Heart“ nie so groß geworden sind, wie sie hätten können, macht sie heute praktisch zu geheimen Tracks. Es wird Zeit, sie neu zu entdecken. Und der Film lohnt sich übrigens allemal. Emma Thompson und Daniel Day-Lewis spielen überragend. Und einen goldenen Bären bei der Berlinale gab es dann auch.