Deftones
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Deftones
22.07.2026

Deftones: ein 90er-Sommerhighlight

Deftones kommen im Sommer 2026 für ein einziges Open-Air nach Deutschland. Die Parkbühne Wuhlheide wird dabei zur ziemlich lauten Schnittstelle zwischen 90s-Alternative und einer neuen Fan-Generation.

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Deftones bei Rock am Ring 2022
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Deftones bei Rock am Ring 2022

Warum sind Deftones gerade wieder so groß?

Deftones gehören zu den seltenen Bands, bei denen die Genre-Schublade schon nach zwei Sekunden klemmt. In den 90ern wurden Chino Moreno, Stephen Carpenter, Abe Cunningham, Frank Delgado und der spätere Bassist Chi Cheng oft in die Nähe von Nu Metal gestellt, weil damals alles mit tief gestimmten Gitarren, Wut und weiten Hosen automatisch dort einsortiert wurde. Für manche 90er-Kinds klang es auch ein bisschen wir Grunge. Ganz falsch war diese Nähe nicht, aber sie war schon damals zu bequem. Deftones klangen härter als Grunge, luftiger als klassischer Metal und deutlich seltsamer als viele Bands, mit denen sie auf Tourplakaten standen.

Chino Moreno brachte eine Stimme ein, die zwischen Flüstern, Schweben und Schreien wechselte, während Stephen Carpenter die Gitarren gerne so tief legte, dass sie eher wie ein Wetterereignis als wie ein Instrument wirkten. Aus dieser Spannung entstand ein Sound, der heute besser gealtert ist als viele seiner Zeitgenossen. Die Deftones waren nie nur „laut“. Die Deftones waren immer auch unheimlich, schön, nervös, körperlich und manchmal so elegant, dass man kurz vergisst, dass gleich wieder ein Riff durch die Wand kommt. Der aktuelle Hype um die Deftones kommt deshalb nicht aus dem Nichts. Auf TikTok sind Songs der Band in den vergangenen Jahren bei jüngeren Hörerinnen und Hörern angekommen. Chino Moreno sagte dazu im Gespräch mit NME: „Wir haben Fans in vielen Generationen.“ Diese kurze Beobachtung trifft den Punkt ziemlich gut. Deftones funktionieren gerade nicht trotz ihrer langen Geschichte, sondern weil ihre Musik sich nicht wie ein abgeschlossenes Jahrzehnt anhört.

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

Deftones - 7 Words [Official Music Video]
Deftones - 7 Words [Official Music Video]

Von Sacramento nach Berlin

Deftones wurden 1988 in Sacramento gegründet, also weit weg vom Seattle-Mythos und auch weit weg von der britischen Coolness, die Chino Moreno später als Einfluss beschrieb. In den 90ern wuchs die Band aus einer kalifornischen Szene heraus, die mit Hardcore, Metal, Skate-Kultur und Alternative-Rock verzahnt war. Chino Moreno, Stephen Carpenter, Abe Cunningham und Chi Cheng bauten daraus keinen sauberen Stil, sondern eher ein eigenes Klima.

„Adrenaline“ erschien 1995 und klingt bis heute wie eine Band, die noch nicht jedes Werkzeug kennt, aber schon sehr genau weiß, wo sie hinwill: nach vorne, zur Not durch Beton.

Mit „Around the Fur“ wurden Deftones 1997 klarer, gefährlicher und eingängiger. Chino Moreno fand mehr Raum für Melodien, Stephen Carpenter schob die Härte nach unten, und Abe Cunningham spielte nicht nur Druck, sondern Nervosität. In dieser Phase wurden Deftones oft neben Bands aus dem Nu-Metal-Umfeld genannt, doch die Musik war weniger auf Ansage gebaut als auf Atmosphäre.

Deftones hatten Hooks, aber sie klangen selten wie Songs, die nur geschrieben wurden, damit eine Festivalmenge gleichzeitig springt. Der endgültige Signature-Moment kam 2000 mit „White Pony“. Deftones verbanden auf diesem Album Härte, Elektronik, Shoegaze-Gefühl und sexuelle Unruhe zu einem Sound, der bis heute viele jüngere Alternative-Bands beeinflusst.

„Change (In the House of Flies)“ wurde der bekannteste Song der Band und erreichte in den USA Platz 3 der Billboard Alternative-Airplay-Charts. Chino Moreno lieferte darin keine klassische Rockhymne, sondern einen Song, der eher im Halbdunkel steht. Genau deshalb funktioniert „Change (In the House of Flies)“ bis heute: Der Song erklärt sich nicht zu Tode, sondern lässt genug Platz, damit jede Generation ihren eigenen Film darin sieht.

Deftones - My Own Summer (Official Music Video) [HD Remaster]
Deftones - My Own Summer (Official Music Video) [HD Remaster]

Ist das noch 90er-Nostalgie?

Die Deftones sind jetzt nicht einfach ein 90er-Act. Klar, Chino Moreno und Stephen Carpenter kommen aus den 90ern, und Songs wie „My Own Summer (Shove It)“, „Be Quiet and Drive (Far Away)“ oder „Change (In the House of Flies)“ sind längst Klassiker. Aber Deftones klingen 2026 nicht wie eine Band, die ein Museum ihrer eigenen Jugend eröffnet hat. Eher wie eine Band, die zufällig schon sehr lange dasselbe seltsame Haus bewohnt und jetzt feststellt, dass plötzlich wieder neue Leute klingeln.

deftones - my mind is a mountain [official music video]
deftones - my mind is a mountain [official music video]

Warum ist „Private Music“ so wichtig?

Mit „Private Music“ haben Deftones 2025 ihr zehntes Studioalbum veröffentlicht. Es war das erste neue Album seit „Ohms“ aus dem Jahr 2020 und wurde mit Nick Raskulinecz aufgenommen, der schon bei „Diamond Eyes“ und „Koi No Yokan“ mit Deftones gearbeitet hatte. Die Singles „My Mind Is a Mountain“ und „Milk of the Madonna“ zeigten, dass Chino Moreno, Stephen Carpenter, Abe Cunningham, Frank Delgado und Fred Sablan nicht versuchen, einen alten Moment nachzustellen. Deftones klingen darauf wie eine Band, die ihre eigene Formel kennt, aber nicht in ihr einschläft.

Deftones - Change (In The House Of Flies) [Official Music Video]
Deftones - Change (In The House Of Flies) [Official Music Video]

Was macht den Berlin-Abend besonders?

Der Berlin-Abend ist nicht nur wegen Deftones interessant, sondern auch wegen Turnstile. Turnstile haben Hardcore in den vergangenen Jahren aus dem engen Szene-Korridor herausgeprügelt und gleichzeitig geöffnet. Das passt zu Deftones, weil auch Chino Moreno und Stephen Carpenter immer zwischen Szene-Zugehörigkeit und Popkultur-Reibung standen. Turnstile bringen eine jüngere, sehr körperliche Energie mit, die den Abend nicht wie eine Heritage-Show wirken lässt. Wer bei Deftones nur an „früher“ denkt, bekommt mit Turnstile ziemlich schnell die freundliche Erinnerung, dass Gegenwart auch treten kann.

Ecca Vandal ergänzt das Paket noch einmal anders. Ecca Vandal bewegt sich zwischen Punk, Alternative, HipHop-Kante und elektronischer Energie. Für Deftones ist das sinnvoll, weil Chino Moreno und Frank Delgado selbst nie große Angst vor genreübergreifenden Texturen hatten. Das Line-up wirkt deshalb nicht wie ein beliebiger Support-Zettel, sondern wie eine kleine Standortbestimmung: Deftones stehen 2026 nicht isoliert als 90er-Monolith da, sondern mitten in einem Feld aus jüngeren Acts, die Härte, Groove und Stilbewusstsein anders zusammensetzen.

Deftones in Berlin werden wahrscheinlich kein Abend, an dem man nur entspannt auf den nächsten Klassiker wartet. Turnstile werden den Puls vorher hochziehen, Ecca Vandal dürfte das Feld stilistisch öffnen, und Deftones können danach zwischen neuerem Material und 90er-Klassikern pendeln. Genau diese Spannung ist der Reiz. Es geht nicht darum, ob Deftones 1997, 2000 oder 2025 am besten waren. Es geht darum, dass all diese Versionen der Band an einem Sommerabend in Berlin gleichzeitig auf der Bühne stehen können. Wenn die Deftones in der Parkbühne Wuhlheide „Change (In the House of Flies)“ spielen, reicht als Stilmittel eigentlich eine Zeile: „I watched you change.“ Mehr braucht es nicht. Die Deftones haben sich verändert, das Publikum hat sich verändert, und trotzdem trifft dieser Sound immer noch ziemlich direkt. Nicht schlecht für eine Band, die seit Jahrzehnten angeblich in keine Schublade passt. Vielleicht war genau das der Trick.

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