24.07.2020

10 Jahre nach dem Loveparade-Unglück

Der 24. Juli 2010 kostete 21 Menschen das Leben und veränderte für viele Traumatisierte alles.

Blick auf die Loveparade 2010. Im Vordergrund Floats (Blick von Norden zur Hauptbühne, 24. Juli 2010, 17 Uhr)
Arne Müseler, CC BY-SA 3.0 de
Blick auf die Loveparade 2010. Im Vordergrund Floats (Blick von Norden zur Hauptbühne, 24. Juli 2010, 17 Uhr)

Unglück bei der Loveparade 2010

Das Unglück bei der Loveparade 2010 war eine Katastrophe, die sich während der 19. Veranstaltung dieser Art am 24. Juli 2010 in Duisburg ereignete. Dabei kamen 21 Menschen ums Leben, mindestens 652 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben des Selbsthilfevereins LoPa-2010 vom Juli 2014 begingen darüber hinaus mindestens sechs Überlebende der Katastrophe aufgrund andauernder seelischer Belastungen Suizid.

Das in den Medien oft als Massenpanik bezeichnete Unglück geschah an einer Engstelle im Zugangsbereich der Loveparade, wo es wegen möglicherweise fehlgeleiteter Besucherströme und Planungsfehlern zu einem Gedränge unter den Besuchern gekommen war.

Infolge der Katastrophe beendete der Loveparade-Organisator Rainer Schaller von der Lopavent die seit 1989 bestehende Veranstaltungsreihe.

© wikipedia

Loveparade 2010 - Dr.Motte´s Statement
Loveparade 2010 - Dr.Motte´s Statement

Dr. Mottes Statement zum Unglück

Erstmals fand die Loveparade 1989 statt, damals ins Leben gerufen von Dr. Motte. Er hatte sich zwar bereits vier Jahre vor der Katastrophe von der Parade verabschiedet, dazu befragt wurde er dazu natürlich aber trotzdem:

Ich hab das damals schon gesehen, dass Herr Schaller nichts anderes möchte als die Loveparade als Marketingevent zu benutzen.
Dr. Motte im ZDF
Lautsprecherwagen der Polizei (Düsseldorfer Straße/Ecke Mercatorstraße, gegen 18:45 Uhr)
Achim Hepp, CC BY-SA 2.0
Lautsprecherwagen der Polizei (Düsseldorfer Straße/Ecke Mercatorstraße, gegen 18:45 Uhr)

Chronik der Funksprüche am 24.07.2010

9.54 Uhr: 

"Das ist interessant für den Notfallplan, also innerhalb des Tunnels ist keine Verbindung möglich"

11.31 Uhr:

"Zugang zum Gelände verschiebt äh verzögert sich noch. 11 Uhr sollte Zugangszeit sein, offensichtlich gibt's da noch Probleme auf dem Gelände, wann jetzt endlich Zugang sein wird, ist noch nicht bekannt."

12.52 Uhr:

"Die Einlässe werden derzeit vom Ordnungsdienst geschlossen, weil der Andrang auf der Rampe zurzeit zu groß ist"

13.49 Uhr:

"Wir haben hier erheblichen Druck, die sollen alle Schleusen öffnen und nicht mehr kontrollieren"

14.47 Uhr:

"Die müssen sich einen anderen Rettungsweg ausdenken. Eine hilflose Person, unregelmäßiger Puls. Wir müssen hier den Druck rausnehmen, damit wieder der Kreuzungsbereich leerlaufen kann."

15.58 Uhr:

"An der Sperrstelle Ost knallt es gleich, wenn die Polizei nicht eingreift."

16.01 Uhr:

"Wir brauchen jetzt unbedingt Sanitäter. Im vorderen Bereich muss unbedingt geöffnet werden, dass der Druck aus dem Kessel, aus dem Trichter abfließen kann."

16.35 Uhr:

"Im Tunnel zur Rampe kommt es zu lebensbedrohlichen Situationen auf Grund des Drucks. Die Menschen werden an die Mauer gedrückt."

17.01 Uhr:

"Wir haben hier eine tote Person, vielleicht auch zwei."

Einer der letzten dokumentierten Funksprüche erfolgt um 17.48 Uhr:

"Es muss da aussehen wie auf dem Schlachtfeld. Wann wird hier endlich die Musik ausgemacht?"

Quelle: ntv.de

Justitia
USA-Reiseblogger auf Pixabay
Justitia

Der Loveparade-Prozess

Die Hauptverhandlung gegen die zehn Angeklagten begann am 8. Dezember 2017 vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg. Sie gilt als einer der umfangreichsten Prozesse im Deutschland der Nachkriegszeit.

Der Sachverständige Jürgen Gerlach sah die Polizeikette als einen der Gründe für das Unglück. Das geht aus einer nicht öffentlichen Expertise hervor. Es waren jedoch keine Polizisten angeklagt. Mögliche Straftaten Polizeibeamter sowie auch sonstiger Angeklagten sind seit dem 24. Juli 2015 verjährt und damit nicht mehr verfolgbar. 

Die Staatsanwaltschaft Duisburg stimmte im Februar 2019 einer Einstellung des Verfahrens zu. Sieben der zehn Angeklagten stimmten der Verfahrenseinstellung zu, drei Angeklagte wollten den Prozess mit dem Ziel des Freispruchs fortsetzen. Das Landgericht Duisburg stellte das Verfahren gegen sieben der zehn Angeklagten daraufhin mit Beschluss vom 6. Februar 2019 ohne Auflagen ein.

Im April 2020 wurde mitgeteilt, dass auch die restlichen Verfahren ohne Urteil eingestellt werden sollen. Die Staatsanwaltschaft erklärte in einem fünfseitigen Dokument ihre Zustimmung zur Einstellung des Verfahrens, da sie die Schuld der Angeklagten nur gering einschätzt, weshalb kein öffentliches Interesse an einer weiteren Strafverfolgung bestehen würde. Der hinreichende Tatverdacht gegen die drei Angeklagten habe sich für das Gericht nach vorläufiger Bewertung der Beweise bestätigt. Mehrere Anwälte von Nebenklägern protestierten anschließend gegen diese Entscheidung. Ihrer Meinung nach gebe es keinen zwingenden Grund, den Loveparade-Prozess vor der Anhörung des Sachverständigen einzustellen. Fragen der Nebenkläger zum Gutachten müssten in einer öffentlichen Verhandlung im Hauptverfahren beantwortet werden. Am 4. Mai 2020 wurde die Einstellung des Verfahrens gegen die letzten drei Angeklagten bekannt gegeben. Begründet wurde dies vom Landgericht Duisburg u. a. mit den zu erwartenden Einschränkungen wegen der Corona-Krise und der Verjährung Ende Juli. Nach 184 Sitzungstagen innerhalb knapp zweieinhalb Jahren endete der Prozess ohne Urteil.

Nebenkläger und Verteidiger kritisierten die Einstellung des Prozesses.

© wikipedia

DAS LEBEN DANACH Trailer German Deutsch (2017) Loveparade 2010 Film
DAS LEBEN DANACH Trailer German Deutsch (2017) Loveparade 2010 Film

Verfilmung des Unglücks

Mit dem fiktionalen Fernsehdrama Das Leben danach wurde das Loveparade-Unglück aus der Perspektive einer Überlebenden – dargestellt von der Schauspielerin Jella Haase – von Regisseurin Nicole Weegmann verfilmt und aufgearbeitet. Erstmals ausgestrahlt wurde der 90-minütige Spielfilm am 27. September 2017 in der ARD.

Der Film ist bis zum 26.20.2020 noch kostenlos in der ARD Mediathek zu sehen. Hier geht's zum Film!

Musikjournalist Julian Brimmers
David Eckes
Musikjournalist Julian Brimmers

Podcast "Trauma Loveparade"

Zum zehnten Jahrestag und kurz nach der Einstellung des Gerichtsverfahrens im Mai dieses Jahres, beleuchtet der Musikjournalist Julian Brimmers im aufwendig recherchierten und hochwertigen, dokumentarischen Podcast die Geschehnisse in Gesprächen mit Angehörigen, Expert*innen und Zeitzeug*innen. Unter anderem berichten Gabi Müller (Mutter von Christian, der bei der Loveparade 2010 ums Leben kam und Nebenklägerin im Prozess), Dr. Motte (Gründer der Loveparade), Jürgen Gerlach (offizieller Gutachter im Loveparade-Prozess) und Zübeyde Sürgit (Journalistin und Loveparade-Expertin) über die Ereignisse und ihre persönlichen Erlebnisse. Die Journalistin Viola Funk und das Team von ACB Stories übernahmen die Regie und Produktion des Dokumentations-Podcasts. Mit Trauma Loveparade - 10 Jahre nach der Katastrophe nimmt Spotify erstmals einen deutschsprachigen dokumentarischen Podcast in das Repertoire an Originals und Exclusives auf und zeigt mit diesem Schritt, dass Podcasts nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären und gesellschaftliche Themen in den Fokus rücken können.

Der Podcast umfasst 7 Episoden. Hier geht es zum Podcast!

Ermittlungsakte Love Parade (1/4): Chronik einer Katastrophe - SPIEGEL TV Magazin
Ermittlungsakte Love Parade (1/4): Chronik einer Katastrophe - SPIEGEL TV Magazin

Spiegel TV-Dokumentation aus dem Jahr 2011

Was genau bei der Loveparade 2010 in Duisburg alles schief gelaufen ist, hat nach monatelangen Ermittlungen die Staatsanwaltschaft Duisburg erstmals in einem Bericht aufgeschrieben. Über 2500 Zeugen haben die Ermittler vernommen. Danach steht eine Mitschuld der Polizeiführung an der Katastrophe im Raum.

Blaze mit Lovelee Dae

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